Zugespitzt! Der kleine Programmierer – Technikkompetenz in unseren Grundschulen

Zugespitzt! Der kleine Programmierer – Technikkompetenz in unseren Grundschulen

2019-11-12T08:57:58+00:00November 10th, 2019|CEO Stephan Goericke, iSQI, Zugespitzt|
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Autor:        Stephan Goericke, CEO der iSQI GmbH

Darf ich vorstellen …?  B·O·B  … B·O·B·3. 

Wer ist  „B·O·B·3” fragen Sie sich jetzt?

Ob „B·O·B·3” oder auch „Calliope”, das sind Mini-Lerncomputer für Kinder. Sie sind gemacht für den Schulunterricht und das schon ab dem Grundschulalter. Zusammenbauen und programmieren ist nämlich nicht mehr nur ein Hobby für Nerds, sondern – wie unsere Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär meint – genauso „wichtig wie Lesen und Schreiben”. Aber müssen oder sollten unsere Schützlinge schon im jungen Alter programmieren können? Einen Abriss lesen Sie hier. 

Laut einer Forsa-Umfrage finden 59% der Deutschen, dass Kinder bereits in der Schule programmieren lernen sollten. Das heißt, über die Hälfte der Menschen in Deutschland unterstützt die Idee vom kleinen Programmierer zu Hause. Auch die Google-Suchanfragen-Trends zeigen, dass die Deutschen immer häufiger das Internet nach „Programmieren für Kinder” durchforsten. Unser Bewusstsein scheint also für das Thema schon mal geschärft zu sein, aber wie sieht es mit der Umsetzung in der Realität aus?

Fakt ist, bisher gibt es kein Bundesland, das Programmieren als Pflichtfach im Lehrplan stehen hat. Aber einige Regionen glänzen mit freiwilligen Initiativen. Das Saarland kann hier punkten, denn seit 2017 ist es das erste Bundesland, das den Minicomputer Calliope flächendeckend für Schulen anbietet. Die kleine von den Schülern selbst zusammengebaute Platine sensibilisiert die Kids für digitale Geräte und Digitalisierung im Allgemeinen. Natürlich sollen unsere Kinder damit auch das logische und algorithmische Denken trainieren und ihre Kreativität schulen. Klingt doch erst mal gut! 

Noch besser klingt das Modell von Estland. Schon seit 2012 können die Kleinen landesweit mit dem Konzept ProgeTiger an Vorschulen, Grundschulen oder im Kindergarten das Programmieren lernen. Hier gibt es Fächer wie Robotik, 3D-Grafik, Informatik oder reines Programmieren. Aber nicht nur das: Estland hat auch fächerübergreifend gedacht. Die Ausbildung in und mit digitalen Technologien ist in diesem Land sehr ausgeprägt und fortschrittlich. Zum Beispiel müssen Lehrer diese in alle Fächer integrieren. Warum denn auch nicht Programmieren für den Mathematik-, Musik- oder Kunstunterricht nutzen? Das ist beispielsweise mit Scratch möglich, eine extra für Kinder entworfene Entwicklungsumgebung. Das Tolle dabei ist, dass faktisch keine Syntax- oder Tippfehler möglich sind. Das heißt, es kommt immer etwas dabei heraus und es gibt keine frustrierenden Fehlermeldungen. Die Kinder können mithilfe der visuellen Oberfläche ihre eigenen Geschichten oder Programme bauen, quasi Bilder-Malen 4.0. 

Für uns Deutsche klingt das noch abstrakt, für Esten, ist diese Grundlagenausbildung völlig normal und zum eigenen Aushängeschild geworden. Ein Land, das moderne E-Lösungen in allen Lebensbereichen anbietet, hat auch bei der Bildung des Nachwuchses nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Exkurs Estland:

Der kleine europäische Nachbar Estland war das erste Land der Welt, das mit Parlamentswahlen per Internet-Voting Schlagzeilen gemacht hat. Das war 2005! Heute, nach 14 Jahren, ist Estland wahrscheinlich das einzige Land der Welt, in dem 99% der öffentlichen Dienste rund um die Uhr online verfügbar sind. Nur noch fürs Heiraten oder fürs Scheiden muss man das Haus verlassen.

Diese Online-Verfügbarkeit ist nicht nur eine reine technische Anbindung, sondern der Umgang mit Digitalisierung im Alltag. Denn die Digitalisierung des Landes fängt bereits in der Schule an, in dem Kinder mit Hard- und Software spielen und lernen dürfen und es zum Schulalltag selbstverständlich dazugehört.

Kommen wir zurück zu Deutschland. Früher oder später werden auch wir, ob im Alltag oder im Berufsleben, um Programmierkenntnisse nicht herumkommen. Warum also nicht bereits in jungen Jahren lernen, damit umzugehen? Für Anja Karliczek, Bundesbildungsministerin, ist klar, dass jeder verstehen muss, wie Algorithmen unsere Welt verändern. Denn unsere Kinder haben dadurch die Möglichkeit, sich souverän, aber auch kritisch mit neuen Technologien zu beschäftigen. Das ist wichtig, um die Chancen und Gefahren der Digitalisierung zu verstehen

Die Grundschule ist hierfür der perfekte Ort! Die Neugier der Kleinen ist noch sehr groß und die Lernkurve steigt schnell. So können sie spielerisch fürs Programmieren begeistert werden. In diesem Alter sind auch Genderstereotypen noch nicht so stark ausgeprägt. Das heißt, Coden ist also kein „Jungsding”. Außerdem lernen Kinder am besten, indem sie Dinge ausprobieren und selber machen. Vergessen wir nicht, dass Programmieren ähnlich ist wie Basteln, also ein kreativer Prozess. Die Kids können also ihre eigenen Fantasiegestalten zum Leben erwecken. Mehr noch! Fehlertoleranz und Teamwork sind Softskills, die ganz nebenbei mitgelernt werden. 

Fazit: 

Programmieren in der Grundschule ist keine Zukunftsvision, sondern ein Thema mit dem sich Eltern, Lehrer und Kinder stärker beschäftigen müssen und werden. Es gibt Länder, die uns hier voraus sind! Mit freiwilligen Initiativen mancherorts gehen wir schon ein gutes Stück in die richtige Richtung. Denn wir befähigen unseren Nachwuchs, in einer digital-geprägten Welt zurechtzukommen und diese Welt aktiv zu gestalten.

Hintergrundinfo:

  • Studie: Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung aus dem Jahr 2016.
  • Mini-Computer: Die Lern-Platinen B·O·B·3 oder Calliope sind für Kinder ab Grundschulalter geeignet.
  • Programmiersprache: Scratch ist eine freie und Entwicklungsumgebung für Kinder.
  • Exkurs: Estland ist eine der fortschrittlichsten digitalen Gesellschaft weltweit.