CDO was? Der Chief Digital Officer in Abgrenzung zum CIO, CEO und CTO

CDO was? Der Chief Digital Officer in Abgrenzung zum CIO, CEO und CTO

2018-10-29T09:34:28+00:00October 22nd, 2018|Institut, iSQI|

In der Diskussion über das Internet der Dinge stehen anfassbare Dinge im Mittelpunkt. Der Kühlschrank verbindet sich mit dem WLAN, das Auto erkennt das rote Licht der Ampel, die Blockchain verknüpft die Daten auf sichere Weise. Vergessen wir dabei, dass das Internet ein Internet der Menschen ist? Dass die Dinge im Dienste des Menschen stehen, und der Mensch es ist, der sie vernetzt? Die “Vernetzer” sind Programmierer und Softwareentwickler, Ingenieure. Immer wichtiger jedoch werden zudem jene, die das, was die Programmierer liefern, im Alltag um- und einsetzen. Menschen, die das Internet der Dinge urbar machen, Geschäfte damit machen, das Geschäftsmodell verändern, es transformieren.

Im Unternehmen von heute ist das eine neue Rolle. Wir nennen sie zum Beispiel Chief Digital Officer (CDO). Die Aufgaben des CDO liegen auf einer riesigen digitalen Palette. Der CDO verantwortet nämlich nichts geringeres als die Transformation eines Unternehmens. Er bewegt das Unternehmen weg von alten Strategien hin zu flexiblen, dynamischen Arbeitsweisen. Er macht es fit für den digitalen Markt. Seine Einflussnahme geht quer durchs Unternehmen. Er arbeitet diametral zum Tagesgeschäft, unabhängig dort, wo neue Prozesse gefunden werden müssen, abhängig, wo es um Ziel- und Kerngeschäft des Unternehmens geht. Er rekrutiert sein Team aus allen Unternehmensbereichen. Alle mit hoher Affinität zur digitalen Welt. So können sie die Möglichkeiten erkennen, die die Vernetzung und Automatisierung bieten. Wahrscheinlich arbeitet der CDO außerhalb der Linienorganisation. Das macht Sinn, denn seine Aufgabe ist es, nicht nur auf Dynamik zu reagieren, sondern im Unternehmen selbst für Dynamik zu sorgen und sie aufrechtzuerhalten. Logisch gedacht, bleiben er und sein Team ebenso dynamisch, probieren aus, bauen auf und verwerfen. Immer entlang der Erfordernisse eines schnellen Marktes und der sich immer schneller entwickelnden Tools und technologischen Entwicklungen. In seiner hoch angesiedelten Stellung im Management ist der CDO eine Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Unternehmensstrategie. Im Idealfall schafft er die digitalen Voraussetzungen, damit Innovationen schnell in das Geschäftsmodell eingebaut werden können. Er vereinfacht Geschäftsprozesse, schafft effiziente Strukturen und mehr Agilität.

Gerade wegen seiner freien und zentralen Stellung im Kulturwandel benötigt er die Rückendeckung aus der Geschäftsführung und muss mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. Hier könnte es bei der Einführung der Rolle des CDO knirschen. Denn trennscharf ist die Abgrenzung zu anderen Chiefs nicht. Im Prinzip kommen sich alle führenden Positionen in die Quere. Vor allem, wenn die Rolle des CDO neu geschaffen wird, überschneiden sich die Aufgaben des CDO mit denen des Chief Information Officer (CIO), des Chief Executive Officer (CEO), des Chief Marketing Officer (CMO) oder auch mit denen des Chief Data Officer (CDO – hier streiten sogar die Kürzel).

CDO – CIO: E-Business und Digitalisierung

Die Aufgaben der Chiefs für Digitalisierung und für Informationsmanagement liegen nicht weit auseinander. Es stellt sich die Frage: Braucht man einen CDO, wenn man schon einen CIO im Unternehmen hat? Treten sich beide auf die Füße oder können sie Freunde werden? Auf jeden Fall ergeben sich sicher viele Anknüpfungspunkte – und großes Potential für Differenzen. Die Anforderungsprofile beider ähneln sich nicht nur, sondern überdecken sich an vielen Stellen. Reibungslos wird es zwischen den beiden nie zugehen. Aber die beiden Bereiche lassen sich über Tätigkeitsschwerpunkte auseinanderzuhalten. Der CIO zum Beispiel wird eher der IT-Abteilung vorstehen. Der CDO liegt hierarchisch etwas höher angesiedelt. Er bekommt als Teil des Vorstands viel mehr Raum und kümmert sich um die Transformation des gesamten Unternehmens. Der CIO baut die Infrastruktur aus und macht sie fit für den Austausch und die Speicherung von Daten. Er optimiert die IT und unterstützt damit die Geschäftsprozesse. Er sorgt für den reibungslosen Ablauf auf operativer Ebene und entlastet sie dadurch. Technische Innovationen behält er im Blick und setzt sie im Sinne von Qualitätssicherung ein. Im Gegensatz zum Team des CDOs stellt sich das Team des CIO meist aus IT-Mitarbeitern zusammen.

Die Zielrichtung des CDO ist eine andere. Sie geht nicht nach innen, zielt nicht nur auf laufende Prozesse ab. Im Gegensatz zum CIO orientiert er seine Arbeit eher nach außen – hat also den Kunden im Blick.

Beide Rollen müssen damit rechnen, dass sie sich nach Aufgaben organisch im Unternehmen verändern werden. Allein durch die offene Anlage der einzelnen Teams, die sich austauschen und agil im Unternehmen Aufgaben übernehmen, delegieren und unterschiedlich lösen, ergeben sich automatisch solche Veränderungen. Beide Bereiche, die des CDO und die des CIO reagieren nicht mehr anforderungsgesteuert, sondern gestalten aktiv mit – immer in Bezug auf Erfolg, Leistung und Gewinnorientierung. Kleinere Unternehmen werden sich nicht beide Positionen leisten können, sie vielleicht auch gar nicht benötigen. Hier wird der CIO aller Wahrscheinlichkeit nach zum CDO „aufsteigen“. Denn er hat die technischen Voraussetzungen, die weichen Skills eignet er sich an.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten von CDO und CIO (Walchshofer und Riedl, 2017)

Unterschiede und Gemeinsamkeiten von CDO und CIO (Walchshofer und Riedl, 2017)

CDO – CTO: Innovation und technische Lösungen

Noch eine andere Führungskraft im Unternehmen, könnte sich vom CDO bedroht fühlen: Der Chief Technical Officer, der CTO, ist verantwortlich für die Technik im Unternehmen. Ihm unterliegt die IT-Infrastruktur, die Wartung und die Sicherheit. Dass sich bei zunehmender Digitalisierung automatisch Überschneidungen zu Aufgaben der Transformation ergeben, ist vorprogrammiert. Aber auch hier ist es wichtig, das beide Rollen eng zusammenarbeiten. Der CTO wird hier die technischen Innovationen im Auge behalten und Strategien entwickeln, sie zu implementieren. Er hat den Überblick über den Ausbau der technischen Ressourcen, um auch in technischer und infrastruktureller Hinsicht konkurrenzfähig zu bleiben.

CDO – CEO: Steuermann und Visionär

In Unternehmen, die mittlerweile CDOs im Einsatz haben, zeigt sich, dass diese immer weiter in hierarchischen Strukturen noch oben steigen. Sie werden immer wichtiger für den Unternehmenserfolg insgesamt und berühren heute sogar die Position des Geschäftsführers, des Chief Executive Officer (CEO). Die Vision eines Unternehmens – das Big Picture – verändert sich in der Transformation genauso wie das Geschäftsmodell an sich. Also auch die Positionierung eines Unternehmens im Markt. CEOs haben längst erkannt, dass Erfolg und Misserfolg unmittelbar vom Stand der Digitalisierung abhängen.

Fazit

CIO, CTO und CEO sind sicher nicht die einzigen Positionen, die mit dem CDO Überlappungen haben. Sicher aber die wichtigsten. Diese Positionen müssen genau differenziert werden oder aber im agil, dynamischen Firmenspiel die Bereiche Schritt für Schritt abstecken. Zusätzlich gibt es noch andere Bereiche, die dem CDO entweder zuspielen können, oder (vor allem in kleineren Unternehmen) vom CDO mit betreut werden. Der Chief Marketing Officer (CMO) wäre ein solcher. Auch der Chief Data Officer, der ebenso wie der CDO visionäre Aufgaben in Bezug auf Datenschutz und Umgang mit Daten verantwortlich ist. Letztlich wird die Praxis zeigen, wie Unternehmen den CDO einsetzen, wo der Bedarf liegt und welche Schwerpunkt der CDO abdeckt.

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